OpenAvisio: ein Tresor für Gesundheitsdaten, aus Notwendigkeit entstanden
Mein Kind hat das Dup15q-Syndrom — eine seltene Chromosomenduplikation, die Anfälle, Entwicklungsverzögerungen und ein Leben voller Facharzttermine mit sich bringt. Über die Jahre häufte sich der Papierkram: neurologische Befunde, EEG-Berichte, Medikationspläne, Therapieberichte, Laborergebnisse. Jedes in einem anderen Format, aus einer anderen Klinik, abgeheftet in einem anderen Ordner.
Als eine neue Ärztin fragte „Welche Medikamente hat sie bekommen, und wann fingen die Anfälle an?", konnte ich antworten — aber nur, weil ich am Abend zuvor stundenlang Ordner durchgeblättert hatte. Das fühlte sich falsch an.
Also habe ich OpenAvisio gebaut.
Was es kann
OpenAvisio ist ein Tresor für Gesundheitsdaten, den du selbst betreibst. Du lädst ein Dokument hoch — ein PDF, ein Foto vom Arztbrief, ein Untersuchungsergebnis. Die KI liest es, trägt die wichtigen Angaben ein — Diagnosen, Medikamente, Laborwerte, Messwerte, Empfehlungen — und legt alles in der Akte ab.
Darüber hinaus:
- Vorfallerfassung — Anfälle, Stürze oder allergische Reaktionen dokumentieren, mit vermuteten Auslösern und Begleitumständen. Der Beginn einer Vorfallart ergibt sich immer aus dem ersten erfassten Ereignis, ein eigenes Feld dafür braucht es nicht.
- Gesundheitsprotokoll — tägliche Beobachtungen: Stimmung, Schmerzniveau, Schlafqualität, Medikamenteneinnahme.
- Kalender — Termine und Gesundheitsereignisse auf einem Zeitstrahl, einschließlich Terminen, die aus hochgeladenen Dokumenten automatisch vorgeschlagen werden.
- KI-Gesundheitsassistent — Fragen in normaler Sprache über alle klinischen Daten und Dokumente hinweg stellen. „Was hat die Neurologin im März empfohlen?" oder „Wie viele Anfälle gab es letztes Jahr?"
- Zugriff für mehrere Betreuer — beide Elternteile, eine Großmutter, eine Pflegekraft, eine Therapeutin — jeder bekommt einen eigenen Zugang, alle sehen dieselbe Patientenakte.
- FHIR-R4-Export — deine Daten bleiben deine. Du kannst die vollständige Akte jederzeit herunterladen, im medizinischen Standardformat FHIR.
Wie es technisch funktioniert
Der Technikstapel ist bewusst langweilig: FastAPI im Backend, Next.js im Frontend, PostgreSQL mit pgvector für die semantische Suche, Celery für die Hintergrundverarbeitung.
Die KI läuft standardmäßig auf deiner eigenen Maschine, über Ollama. Patientendaten verlassen deinen Server also nie. Wenn du bessere Erkennung willst und einen Auftragsverarbeiter in der EU akzeptierst, kannst du stattdessen Mistral AI einbinden — auch dann bleiben Embeddings und Bild-Texterkennung lokal.
Die Dateien liegen verschlüsselt auf der Platte. Jedes Dokument bekommt einen eigenen Schlüssel, und alle diese Schlüssel liegen wiederum in einem Hauptschlüssel, den du kontrollierst. Tauschst du den Hauptschlüssel, werden nur die Schlüssel neu verpackt — die Dateien selbst bleiben unangetastet.
Die Anmeldung erfolgt per Passwort und optional per Passkey. Sitzungen sind kurzlebige JWTs. Alle Änderungen werden im Audit-Log festgehalten.
Warum selbst gehostet?
Gesundheitsdaten sind besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Artikel 9 DSGVO. Ich wollte keinen Dienst betreiben, bei dem die Anfallshistorien fremder Kinder auf meinem Server liegen. Selbst gehostet heißt: Die Familie, das Pflegeheim oder die Klinik ist verantwortliche Stelle — nicht ich.
OpenAvisio steht für den Eigenbetrieb unter der AGPL-3.0. Eine kommerzielle Lizenz hebt die Grenzen für Patienten- und Nutzerzahlen auf, für Organisationen, die das brauchen.
Ausprobieren
Der Quellcode liegt auf Codeberg. Rückmeldungen, Issues und Pull Requests sind willkommen.